Schluss
mit der Bescheidenheit
Alltag mit Kind
Ökotest Februar 2012
Kinder
und trotzdem Karriere? Diese Kombination ist in Deutschland
immer noch Ausnahme. Zwei Mütter erzählen,
wie sie es geschafft haben, Kinderbetreuung und beruflichen
Aufstieg unter einen Hut zu bekommen.
An
einem Sommermorgen im Jahr 2006 erkundet Päivi Budarham
mit ihrem knapp einjährigen Sohn Noah einen Spielplatz
im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen. Während der
Kleine spielt, wälzt sie Gedanken: Bald endet die
Elternzeit, sie soll zurück in ihren Job als PR-Leiterin
bei der Finnischen Zentrale für Tourismus. Zu ihrer
Arbeit gehören auch regelmäßige Auslandsreisen. Das
kann sich die gebürtige Finnin nun gar nicht mehr
vorstellen. "Ich hatte nicht damit gerechnet, dass
ich so ein Muttertier sein würde", erzählt sie. Einerseits
möchte sie wieder arbeiten, anderseits fällt es ihr
schwer, von Noah getrennt zu sein. Da fällt ihr Blick
auf ein leerstehendes Geschäft. "Das ist es!", denkt
sie, "hier mache ich meinen Laden auf." Eine Idee
hat sie schon: Bei einem Besuch in Helsinki war Päivi
Budarham auf ein Geschäft mit schicker kleidung für
werdende Mütter und kleine Kinder gestoßen. Auch Business-Umstandsmode
gehörte dazu, die sie während ihrer Schwangerschaft
in Deutschland vergeblich gesucht hatte. Dieses Angebot
will die junge Mutter nach Frankfurt holen.
Mit vollem Elan geht sie an die Arbeit:" Ich habe
mich nachts hingesetzt und einen Businessplan geschrieben."
Obwohl sie von ihrer Idee überzeugt ist, will sie
eine Meinung von außen einholen. Die junge Frau wendet
sich an die Agentur Jumpp der Frauenbetriebe e.V.,
eine Beratungsstelle für Existenzgründerinnen. "Ich
fand es angenehm, mich von Frauen beraten zu lassen",
erzählt Päivi Budarham. Sie überarbeitet den Businessplan
und erstellt ein Marketingkonzept. Für Noah engagiert
sie ein Au-pair-Mädchen aus Finnland. Dann öffnet
"Noaboa - Lieblingsdinge für Lieblinge".
Jumpp gehört zum Netzwerk der Bundesgründerinnenagentur
(bga). Leiterin Iris Kronenbitter ist überzeugt:"Selbstständigkeit
ist für viele Mütter eine gute Alternative zur Festanstellung.
Sie bietet zeitliche Flexibilität und frau kann endlich
nach ihren eigenen Vorstellungen arbeiten." Allerdings
gingen nur wenige Existenzgründerinnen so selbstbewusst
an die Sache heran wie Päivi Budarham - zu Unrecht:
"Die meisten Frauen sind sehr gur qualifiziert." Auch
müssten sie keine klassischen Unternehmertypen sein,
um Erfolg zu haben. "Da werden rein männliche Maßstäbe
angelegt. Viel entscheidender ist es, dass sich die
Frau für ihre Idee begeistert."
Das ist bei Päivi Budarham der Fall. Sie überzeugt
ihren Mann und ihren Vater und erhält von beiden finanzielle
Unterstützung. "Es ist ganz wichtig, dass das Umfeld
dahintersteht", glaubt sie. Sonst könne Selbstständigkeit
mit Kindern kaum funktionieren. denn gemeinsam mit
ihrem Mann muss die Geschäftsfrau zeitlich immer wieder
jonglieren, um die Kinderbetreuung sicherzustellen.
Herausforderung zweites Kind
Der Sprung in die Selbstständigkeit glückt, das Geschäft
floriert. Päivi Budarham ist überzeugt, dass sich
auch ein zweites Kind gut mit ihrer Arbeit vereinbaren
lässt. 2008 kommt Töchterchen Alina zur Welt. Zu ihrer
Entlastung stellt die junge Mutter eine Filialleitering
ein, aber die Zusammenarbeit klappt nicht so gut wie
erwartet. zwei Wochen nach der Geburt steht sie wieder
im Geschäft, das Baby im Tragetuch. Wie den Sohn will
sie auch die Tochter stillen. Diese Zeit wird eine
"große Herausforderung", doch Päivi Budarham meistert
sie. Als die Kinder ihrer ersten Kundinnen aus den
angebotenen Kleidergrößen herauswachsen, geht die
tatkräftige Geschäftsfrau noch einen Schritt weiter:
Sie vergrößert ihr Angebot und zieht um. Aus den kuscheligen
85-Quadratmeter_laden wird ein 550-Quadratmeter-Geschäft.
Zudem bieten in einem Gruppenraum freie Dozentinnen
Kurse an: von der Geburtsvorbereitung bis zur Stillgruppe.
Ein cleverer schachzug, sind die Teilnehmerinnen doch
potenzielle Kundinnen. Dass Päivi Budarham ihre Berufstätigkeit
so gut mit der Familie vereinbaren kann, liegt sicher
auch an ihrer Herkunft. In Finnland ist es selbstverständlich,
dass Mütter erwerbstätig sind.
Ganz anders in Deutschland: "Mütter, die intensiv
an der eigenen Karriere arbeiten sind rar", sagt Marina
Bergmann, die in Konstanz die Beratungsstelle "Frau
und Beruf"leitet. "Nur wenige gehen zielbewusst und
strategisch vor, streben nach einer Führungsposition
und definieren sich selbstverständlich auch über die
Berufstätigkeit." Die Zahlen sprechen für sich: Im
Jahr 2008 waren laut Statistischem Bundesamt nur 29
Prozent der Mütter mit einem Kind unter drei Jahren
erwerbstätig. Mit Kindergartenkind waren es 59 Prozent,
mit einem Kind im Grundschulalter 65 Prozent. Fast
drei Viertel aller Mütter arbeiten Teilzeit. Bei den
Vätern lag die Erwerbstätigkeit zwischen 83 und 86
Prozent. Teilzeitarbeit war die Ausnahme.
Erfolg
mit Bauchgefühl
Mit Babymode ins Finale des Gründerpreises
Frankfurter Rundschau, Wirtschaft 12.010.2010
FRANKFURT – Mut, Freude am eigenen Tun, den Glauben
an sich und die eigene Geschäftsidee sollten Existenzgründer
mitbringen. Sagt Päivi Budarham, die Ende 2006 binnen
acht Wochen ihren Laden für Umstandsmode und Babykleidung
eröffnete. „Mein Umsatz hat sich gegenüber 2007 verdreifacht“,
sagt Budarham. Einen Teil ihres Gründungsdarlehens
hat sie bereits zurückgezahlt.
Wie lautet ihr Erfolgsrezept? „Ich höre auf mein Bauchgefühl“,
sagt die in Finnland geborene Budarham, die vor 17
Jahren als Au-pair nach Deutschland kam und sich hier
im PR-Bereich etablierte. Sie lernte ihren aus Marokko
stammenden Mann kennen, gemeinsam haben sie zwei Kinder.
Ihr Sohn Noah ist gewissermaßen „schuld“ am Schritt
in die Selbstständigkeit. Kurz vor Ende ihrer Elternzeit
entdeckte sie den leeren Laden in Frankfurt-Sachsenhausen.
Das war die Gelegenheit. Die Idee war, Kleidung für
Schwangere zu verkaufen, die nicht aussieht wie Kleidung
für Schwangere. „Stylish, sexy und superbequem“ sollten
die Sachen sein. Solche Kleidung hatte sie bei einem
Besuch im heimatlichen Helsinki gesehen, nicht aber
in Frankfurt. Also eröffnete Budarham ihren Laden.
Nun ist Noa Boa – das Geschäft hört auf den Kosename
ihres Sohnes – nicht der einzige Laden, mit Kleidung
für Mütter und deren Nachwuchs. Und nicht der billigste,
auch wenn Budarham Wert legt auf bezahlbare Preise.
Was unterschiedet nach Ansicht seiner Gründerin ihr
Konzept von der Kinderabteilung bei H&M?
Die entspannte Atmosphäre mit Café- und Spielecke
nennt Budarham an erster Stelle. Und die zusätzlichen
Angebote jenseits des Verkaufens. So wurde ein Kursraum
integriert, in dem etwa selbstständig arbeitende Hebammen
Babykurse anbieten können. Noa Boa profitiert durch
kostenlose Werbung und Kundenbindung. Außerdem setzt
Budarham auf personalisierte Kissen und Decken, die
im eigenen Nähatelier gefertigt werden sowie auf eine
kleine, limitierte Eigenkollektion. Die Modelle dafür
entwirft die Gründerin selbst. Die Musterteile werden
im Laden genäht, die Kollektionen in Lappland. 
Päivi Budarham betreibt seit 2006 den Laden Noa
Boa in Frankfurt. Dort verkauft sie Kleidung für Schwangere
und Kinder. Beim hessischen Gründerpreis stehen insgesamt
neun Gründer in drei Kategorien (mutige Gründung,
geschaffene Arbeitsplätze, innovative Geschäftsidee)
im Finale. Noa Boa wurde mit zwölf Jobs in der Kategorie
Arbeitsplätze nominiert. Die FR stellt die neun Finalisten
in einer neuen Serie vor. ust
Mit
Spielplatz
Noa Boa hat alles für Babys, Kinder
und werdende Mütter
Frankfurter Allgemeine Zeitung, Geschäftsgang
19.08.2010

Besser könnte die Lage nicht sein. An der Hedderichstraße
beim Südbahnhof in Sachsenhausen können
Mütter auf kurzer Strecke viel erledigen: Windeln
im Drogeriemarkt kaufen, Obst und Gemüse im Biosupermarkt,
Nasentropfen in dr Apotheke - um dann zuguterletzt
bequem mit dem Kinderwagen hineinzurollen in den Laden
für die "Lieblingsdinge für Lieblinge":
Noa boa.
Eine großzügige Erdgeschossetage (550 Quadratmeter)
hat die in Finnland geborene Geschäftsfrau Päivi
Budarham Ende 2009 in ein Neubau bezogen und - das
war clever - einen "Wohlfühlraum" für
Kurse wie First English, Pilates Rückbildung
oder Geburtsvorbereitung gleich mit angeschlossen.
Ein Holzfußboden und Tageslicht, das durch Oberlichter
fällt, sorgen für eine warme Note. Die Farben
Rosa, Pink und Rot geben den Ton an, wie das in Kinderläden
nun mal so ist. Alles wirkt kuschelig und positiv.
Nur Musik von Amy Winehouse bürstet ein bisschen
gegen den Strich. Das Highlight für Kinder ist
ein Spielteppich in der Ladenmitte mit Holzhütte
und Rutsche. Mütter können sich daneben
an Tische setzen und einen Kaffee aus dem Automaten
trinken. Früher gab es Noa Boa deutlich kleiner
an der Wallstraße mit Baby- und Kinderbekleidung
nur bis Größe 104. Im neuen Geschäft
gehen Mäntel und Hosen bis Größe 152,
im Sortiment sind auch Kindermöbel, Kinderwagen,
Spielzeug, Umstandsmode und die beliebten Stillshirts
von Belly Button. Bei den Marken achtet Budarham auf
Bezahlbarkeit: T-Shirt kosten zwischen neun und 59
Euro. "Eine Diesel-Jeans für 120 Euro gibt
es bei uns nicht", sagt die Geschäftsfrau.
"Name.It" ist so ein Label, das schick und
preislich moderat ist. 29,29 Euro etwa kostet ein
hübsch geschnittenes Kordmäntelchen für
Mädchen, das Ringel-T-Shirt mit Spitzenbesatz
16,95 Euro. Bei den Kindermöbeln bietet die Marke
Bopita ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.
für Schwangere neu im Programm sind Jeans der
Marke "Love2Wait" (65,95 Euro), die sich
vom Schnitt und von der Waschung her nicht hinter
trendigen Jeans verstecken müssen. Auch ein eigenes
Label hat Noa Boa im Programm. Viele Artikel gibt
es online. Petra Kirchhoff
Noa Boa, Hedderichstraße 47, Frankfurt,
geöffnet montags bis freitags 10 bis 19 Uhr,
samstags bis 18 Uhr; www.noaboa.de.
Erfolgreiche
Unternehmerinnen
Broschüre
der bundesweiten Gründerinnenagentur (BGA); August
2010
Päivi Budarham hat sich auf besondere
Produkte für Mütter und Kinder spezialisiert
Ich habe nur auf die richtige Idee gewartet
Die
finnische PR-Fachfrau Päivi Budarham träumte
schon immer von einem eigenen Geschäft. Als sie
durch Zufall in Frankfurt einen leeren Laden entdeckte,
wusste sie plötzlich genau, was sie dort verkaufen
wollte. Sie startete durch und gründete in nur
acht Wochen "noa boa, Lieblingsdinge für Lieblinge."
Es
war ein schöner Sommermorgen. Päivi Budarham
saß auf einer Bank im Park und sah ihrem kleinen
Sohn Noah beim Spielen zu. In sechs Wochen ging ihre
Elternzeit zu Ende und die Diplom-Betriebswirtin fragte
sich voller Panik, wie sie ihre Stelle als PR-Leiterin
der Finnischen Zentrale für Tourismus mit ihrem
Kind vereinbaren sollte. Zu ihren Aufgaben gehörten
zum Beispiel viele Reisen n ihre Heimat, nach Finnland.
Da entdeckte sie gegenüber den Laden. er war zu
vermieten. "Und da dachte ich mir: Diesen Laden
will ich."
"Ich
dachte, das ziehe ich jetzt durch."
Päivi
Budarham stammt aus Lappland. Seit 1993 lebt sie in
Frankfurt. Sie kam nach ihrem Studium der Betriebswirtschaft
als Au-Pair in die Stadt und fasste dann dort auch beruflich
in der Tourismusbranche Fuß. "Ich hatte hart
für meine Position als PR-Leiterin gearbeitet,
aber ich träumte schon immer davon, selbstständig
zu sein. Ich komme aus einer Unternehmerfamilie",
erzählt die Betriebswirtin. "Eigentlich habe
ich nur auf die richtige Idee gewartet."
Und eine Idee spukte ihr schon seit einiger Zeit im
Hinterkopf herum. Sie entstand, als sie auf der Suche
nach Business-Kleidung für Schwangere war. Sie
fand in Helsinki ein Geschäft mit pfiffigen Anzügen
und Kostümen für Schwangere und wunderschönen
Babysachen.
seit drei Jahren bietet Päivi Budarham nun Lieblingsdinge
für Lieblinge und Mütter an: Babykleidung,
Umstandsmode, Spielsachen. Das Besondere: alle Produkte
sind nicht unbedingt teuer, aber sorgfältig ausgewählt,
viele davon personalisiert.
Inzwischen hat Päivi Budarham ihre Ladenfläche
von 85qm auf 550qm vergrößert, sie beschäftigt
vier Mitarbeiterinnen und hat ihr Leistungsangebot erweitert.
Ihre undinen können nun auch Kindermöbel kaufen
und Schwangerschaftsvorbereitungskurse besuchen. "Das
steigert auch den Warenumsatz. Auf dem Weg zu den Kursen
gehen die Frauen durch den Laden und entdecken oft etwas,
das sie gerne mitnehmen möchten."
Die Gründung hat Päivi Budarham in gerade
mal acht Wochen über die Bühne gebracht. Sie
hat sich das Startkapital von 90.000 Euro von ihrem
Mann und ihrem Vater geliehen, eine Standortanalyse
erstellen lassen, das Geschäft renoviert und eingerichtet,
Ware gekauft. "Den Businessplan hatte ich schon
in der Schublade, weil ich schon früher mit dem
Gedanken spielte, ein Geschäft zu eröffnen.
Ich habe als Studentin in einem Bekleidungsgeschäft
ausgeholfen und das hat mir sehr gut gefallen."
"Ich verlasse mich auf mein Bauchgefühl und
halte mich strikt an mein Budget."
Die Vorbereitung lief reibungslos, bis sie eine Woche
vor der Eröffnung in einem anderen Stadtteil ein
Geschäft mit gleichem Sortiment und ähnlichem
Namen entdeckte. "Ich dachte, egal, das ziehe ich
jetzt durch", berichtet Päivi Budarham. "Ich
habe nur den Namen geändert. Statt 'Mama und me'
heißt das Geschäft nun 'noa boa, Lieblingsdinge
für Lieblinge'. Noa boa war der Spitzname meines
Sohnes Noah, als er ein Baby war."
Päivi Budarham hat sich etabliert. Aber sie musste
auch Lehrgeld bezahlen. Zu Beginn hat sie manchmal zu
viel und das falsche Sortiment gekauft. "Jetzt
verlasse ich mich auf mein Bauchgefühl und halte
mich strikt an mein Budget."
Ein anderes Problem waren die Mitarbeiterinnen. Nach
der Geburt ihrer Tochter leitete sie ihre Boutique von
zu Hause, um festzustellen, dass das nicht klappt. "Ich
fand keine gute Filialleiterin und daheim hatte ich
eigentlich nur spätabends Zeit zum Arbeiten."
Jetzt ist sie wieder jeden Tag im Laden. Die Kinder
sind in der Krippe und im Kindergarten und werden abwechselnd
von ihr oder ihrem Mann abgeholt. "Wir haben sowieso
einen Spielplatz für die Kinder der Kundinnen im
Laden und ein Sofa in meinem Büro. Das klappt gut."
Ohne ihren marokkanischen Mann, sagt sie, wäre
das alles jedoch nicht möglich. "Er unterstützt
mich rückhaltlos."
Päivi Budarham arbeitet viel: "Unternehmerin
zu sein ist eine 24-Stunden-Aufgabe". Aber sie
ist glücklich - mit ihrer Familie, ihrem Beruf.
Sie ist durch ihr Unternehmen endgültig in Deutschland
angekommen, und sie macht das, was sie schon immer machen
wollte. "Wenn ich morgens in den Laden komme, schlendere
ich durch die Regale und denke: Das ist meins. Ich habe
es geschafft."
Kontakt: Päiv Budarham, noa boa Lieblingsdinge
für Lieblinge
Hedderichstraße 47, 60594 Frankfurt, www.noaboa.de
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